Mittelalter · Frage
Was ermöglicht der mittelalterliche Strebebogen in der Kirchenarchitektur am direktesten?
Antwort
Höhere Wände und größere Fenster
Der Hintergrund zur Antwort
Ein Strebebogen ist ein außenliegender Halbbogen, der den seitlichen Schub der Steingewölbe von den Langhauswänden auf einen separaten Strebepfeiler ableitet. Indem diese Querkräfte abgetragen werden, muss die Wand nicht mehr als massiver Widerlagerblock wirken; sie kann daher deutlich höher aufgemauert und mit großen Fensteröffnungen für Buntglas durchbrochen werden, ohne Einsturzgefahr.
Im 12. Jahrhundert in der Île-de-France entstanden und an Orten wie Saint-Denis, Notre-Dame de Paris und Chartres perfektioniert, prägte diese Innovation — zusammen mit Spitzbogen und Rippengewölbe — die hochaufragenden, lichtdurchfluteten Räume der Gotik. So wurden hohe Obergaden und Rosettenfenster konstruktiv möglich, ganz im Sinn von Sugers lux nova („neues Licht“).