Mittelalter · Frage
Wahr oder falsch: Die mittelalterliche Kirche beeinflusste Kalender, Feiertage und den Tagesablauf.
Antwort
Wahr
Der Hintergrund zur Antwort
Im gesamten mittelalterlichen Europa gab der liturgische Kalender den Zeitrhythmus vor. Feste wie Weihnachten, Ostern und Fronleichnam sowie Hunderte von Heiligentagen bestimmten Arbeitsunterbrechungen, Jahrmärkte und Gemeindefeiern, während lange Fastenzeiten wie die Fastenzeit Ernährung und Märkte veränderten (man denke an Fisch am Freitag). Die Sonntagsruhe verankerte die Woche, und das Landleben folgte oft den Festen der örtlichen Schutzheiligen und den mit der Landwirtschaft verbundenen Bittprozessionen (Rogationen).
Der Tagesablauf wurde durch Kirchenglocken im Takt der kanonischen Stunden bestimmt — von den Matutin vor der Morgendämmerung bis zu den Vespern in der Dämmerung — und lenkte Gebet, Arbeit und Schlaf. Klöster waren Zentren der Zeitmessung und der Aufzeichnung und trugen zur Verbreitung der von Beda popularisierten Anno-Domini-Zeitrechnung bei. Selbst städtische Obrigkeiten planten Steuern und Gerichte nach dem Kirchenjahr, was zeigt, wie die heilige Zeit die mittelalterliche Gesellschaft vom Kloster bis zum Marktplatz strukturierte.