Mittelalter · Frage
Wahr oder falsch: Gotische Kathedralen wurden dazu entworfen, lichtdurchflutet zu sein.
Antwort
Wahr
Der Hintergrund zur Antwort
Architekten der Gotik planten Kirchen so, dass reichlich farbiges Licht ins Innere gelangte. Spitzbögen und Rippengewölbe leiteten die Lasten auf schlanke Stützen, während Strebebögen die seitlichen Schubkräfte nach außen abtrugen und so die Wände für großflächige Farbverglasungen — Obergaden, Lanzettfenster und Rosenfenster — freimachten. Das Ergebnis war ein hohes, lichtdurchflutetes Inneres, anders als die schwerere, dunklere Romanik.
Licht hatte zudem tiefe symbolische Bedeutung. Abt Suger, der im 12. Jahrhundert Saint‑Denis erneuern ließ, pries die lux nova — „neues Licht“ — als Weg zum Göttlichen. Buntglasfenster fungierten als leuchtende Schrift, lehrten biblische Geschichten für weitgehend analphabetische Gemeinden und tauchten die Gläubigen in wechselnde Farbtöne, die die Liturgie dramatisierten und Gottes Gegenwart symbolisierten.