Mittelalter · Frage
Wahr oder falsch: Der Schwarze Tod trug in Teilen Westeuropas zur Schwächung der Leibeigenschaft bei.
Antwort
Wahr
Der Hintergrund zur Antwort
Die Pandemie von 1347–1351 tötete ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung Europas und führte zu einem massiven Arbeitskräftemangel. Mit brachliegenden Feldern und ausbleibenden Abgaben konnten die überlebenden Bauern bessere Bedingungen durchsetzen: höhere Löhne, weniger Frondienste und das Recht, zur Arbeit den Wohnort zu wechseln. Viele Grundherren wandelten Pflichtdienste in Geldrenten um und untergruben so das Grundherrschaftssystem. Versuche, die Löhne wieder zu drücken – wie das Arbeitsstatut von 1351 (Statute of Labourers) in England – scheiterten oft oder stießen auf Widerstand.
Diese neue Verhandlungsmacht trug zu sozialen Unruhen bei, darunter die Jacquerie (1358) in Frankreich und der Englische Bauernaufstand (1381), die ein Ende der feudalen Lasten forderten. In weiten Teilen Westeuropas führte dies zu einem allmählichen Rückgang der Leibeigenschaft. Das Muster war jedoch nicht überall gleich: In Teilen Osteuropas kam es später zur Verschärfung bäuerlicher Abhängigkeit, zur sogenannten Zweiten Leibeigenschaft.