Mittelalter · Frage
Wie nennt man das mittelalterliche christliche Ideal, für Glauben und Schutz zu kämpfen?
Antwort
Heiliger Krieg
Der Hintergrund zur Antwort
Gemeint ist von der Kirche sanktionierte Kriegführung zum Schutz des Glaubens, heiliger Stätten und christlicher Gemeinden. Seit dem späten 11. Jahrhundert rahmten Päpste bestimmte Unternehmungen als verdienstvolle Taten: Die Teilnehmer legten Gelübde ab, erhielten Ablässe und kämpften unter päpstlicher Autorität. Das unterscheidet dies vom Ritterkodex (weltliche ritterliche Ethik), von persönlicher Frömmigkeit („ritterliche Frömmigkeit“) oder von der institutionellen Identität der Ritterorden („religiöses Rittertum“).
Im augustinischen Denken vom gerechten Krieg wurzelnd, formten Kanonisten und Prediger die Idee nach dem Aufruf Urbans II. in Clermont (1095) zu einer Kreuzzugsideologie um. Sie erstreckte sich über die Unternehmungen im Osten hinaus auch auf die iberische Reconquista und die Feldzüge im Baltikum. Das Ideal brachte geistliche Anreize und rechtliche Schutzmaßnahmen mit sich und veränderte durch Kreuzzugssteuern, Gelübde und Massenpredigten die europäische Politik und Finanzwelt — eine Ideologie, deren hohe Ziele oft an den chaotischen Realitäten mittelalterlicher Kriegsführung scheiterten.