Mittelalter · Frage
Welche im 11. Jahrhundert in Bologna wiederentdeckte und studierte Rechtskompilation trug zur Wiederbelebung des römischen Rechts im mittelalterlichen Europa bei?
Antwort
Justinians Corpus Iuris Civilis
Der Hintergrund zur Antwort
Im 6. Jahrhundert für den byzantinischen Kaiser zusammengestellt, wurde diese Kodifikation im 11. Jahrhundert in Bologna wiederentdeckt. Dort zerlegten und lehrten sie Juristen wie Irnerius und lösten so eine europaweite Wiederbelebung des römischen Rechts aus. Ihre systematische, umfassende Anlage eignete sich besonders für die Universitätslehre und zur Vereinheitlichung lokaler Gewohnheitsrechte, anders als spätantike Auszüge oder germanische Rechtsbücher, denen Umfang und Kohärenz fehlten. Aus Codex, Digesten (Pandekten), Institutionen und Novellen bestehend, bildete sie das Rückgrat des ius commune—einer akademischen Rechtskultur, die Zivil- und Kirchenrecht verband. Die Randglossen der Glossatoren und spätere Kommentatoren prägten das juristische Denken im mittelalterlichen Europa und legten Grundlagen moderner Zivilrechtssysteme, bis hin zu italienischen Stadtstatuten und späteren Nationalkodifikationen wie dem Code Napoléon.