Mittelalter · Frage
Wie heißen die schriftlichen Regeln und Anordnungen Karls des Großen zur Regierungsführung?
Antwort
Kapitularien
Der Hintergrund zur Antwort
Es handelte sich um Sammlungen kurzer „Kapitel“ (lat. capitula), die königliche Anordnungen zu Justiz, Heeresdienst, Steuern, Münzwesen und Kirchenreform festlegten. Sie wurden auf Versammlungen erlassen und an Grafen und Bischöfe gesandt und bildeten das praktische schriftliche Rückgrat der karolingischen Herrschaft, indem sie klärten, wie lokale Amtsträger den Willen des Herrschers im weiten Reich umzusetzen hatten. Durch umherreisende königliche Gesandte (missi dominici) durchgesetzt, waren sie kein einheitlicher, dauerhafter Gesetzeskodex, sondern bedarfsorientierte Weisungen. Ein berühmtes Beispiel ist die Admonitio Generalis (789), die Bildung förderte und religiöse Praxis vereinheitlichte. Später sammelten Mönche wie Ansegis diese Texte und überlieferten so karolingische Verwaltungsideale an spätere mittelalterliche Herrscher.