Mittelalter · Frage
Worum geht es beim „Großen Schisma“ von 1054 hauptsächlich?
Antwort
Die Spaltung zwischen dem östlichen und dem westlichen Christentum
Der Hintergrund zur Antwort
Im Jahr 1054 formalisierten wechselseitige Exkommunikationen zwischen Kardinal Humbert (für den Papst) und Patriarch Michael Kerullarios (für Konstantinopel) eine lange schwelende Kluft zwischen dem lateinischen Westen und dem griechischen Osten. Zentrale Spannungen betrafen die päpstliche Suprematie versus ein konziliares Leitungsmodell, den westlichen Zusatz des Filioque zum Nizänischen Glaubensbekenntnis sowie unterschiedliche liturgische Praktiken (z. B. ungesäuertes vs. gesäuertes Brot). Politische Rivalitäten zwischen Rom und Konstantinopel verschärften die theologischen Konflikte. Es ging nicht um protestantische Reformatoren – diese Umbrüche kamen erst im 16. Jahrhundert. Nach der Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 während des Vierten Kreuzzugs vertiefte sich die Spaltung weiter und hinterließ anhaltendes Misstrauen. Obwohl die gegenseitigen Exkommunikationen 1965 von Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras I. aufgehoben wurden, bleiben beide Traditionen getrennte Kirchen, die gemeinsame alte Wurzeln haben, sich aber in Leitung und manchen Lehren unterscheiden.