Mittelalter · Frage
Worum ging es bei der "Pragmatischen Sanktion" (im mittelalterlichen/spätmittelalterlichen Kontext) allgemein?
Antwort
Die päpstliche Macht in der Kirchenleitung eines Reiches zu begrenzen
Der Hintergrund zur Antwort
Im Spätmittelalter war eine "Pragmatische Sanktion" eine feierliche Verordnung eines Landesherrn, mit der nationale Kontrolle über kirchliche Angelegenheiten gegenüber Rom behauptet wurde. Solche Edikte griffen häufig konziliaristische Grundsätze auf, schränkten päpstliche Provisionen und Annaten (Abgaben) ein, begünstigten die lokale Wahl von Bischöfen und Äbten und begrenzten Appelle an die römische Kurie, wodurch die königliche Aufsicht über den Klerus des Reiches gestärkt wurde. Das klassische Beispiel ist die Pragmatische Sanktion von Bourges (1438), erlassen von Karl VII. von Frankreich, die die Beschlüsse des Konzils von Basel und die "Freiheiten der gallikanischen Kirche" verankerte. Nicht zu verwechseln mit der viel späteren habsburgischen Pragmatischen Sanktion (1713) zur dynastischen Nachfolge; im mittelalterlichen Kontext signalisierte der Begriff meist den Versuch, die päpstliche Autorität zu beschneiden und die kirchliche Governance an königlichen Interessen auszurichten.