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Mittelalter · Frage

Was bedeutet die Primogenitur in der mittelalterlichen Erbpraxis?

Antwort

Erbschaft durch den ältesten Sohn

Der Hintergrund zur Antwort

Die Primogenitur war der Brauch, nach dem der erstgeborene männliche Nachkomme den Titel und den Hauptbesitz der Familie erbte. In der Feudalgesellschaft galt dies als vorteilhaft, weil ungeteiltes Land sicherstellte, dass ein einzelner mächtiger Herr seine militärischen und finanziellen Pflichten gegenüber seinem Oberlehnsherrn erfüllen konnte, statt ein Lehen unter mehrere Erben aufzuteilen.

Besonders verbreitet wurde sie in Westeuropa ab dem 11. Jahrhundert, namentlich in der Normandie und dann in England nach 1066. Anderswo gab es Realteilung (Aufteilung des Landes unter den Söhnen) oder, seltener, Ultimogenitur (der Jüngste erbt). Die Primogenitur hatte erhebliche soziale Folgen: Jüngere Söhne suchten oft Laufbahnen in Kirche, Heer oder königlicher Verwaltung oder schlossen sich Unternehmungen wie den Kreuzzügen an. Zwar konnten Töchter in Abwesenheit von Söhnen erben, doch männliche Erbpräferenz überwog, und Erbfolgestreitigkeiten befeuerten die dynastische Politik und mitunter Kriege.

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