Mittelalter · Frage
Wofür ist „Canossa“ (1077) berühmt?
Antwort
Der Kaiser, der den Papst um Vergebung bittet
Der Hintergrund zur Antwort
Im Jahr 1077, mitten im Investiturstreit, überquerte König (später Kaiser) Heinrich IV. die Alpen zur Burg Canossa, wo Papst Gregor VII. bei Mathilde von Tuszien weilte. Exkommuniziert und von Aufständen bedroht, leistete Heinrich öffentliche Buße — der Überlieferung nach barfuß im Schnee und im härenen Büßerhemd — drei Tage lang, bis Gregor den Bann aufhob. Die Szene wurde zu einem prägenden Symbol päpstlicher Autorität über weltliche Herrscher im Hochmittelalter. Obwohl der Waffenstillstand nur kurz währte — Heinrich zog später wieder nach Italien und unterstützte einen Gegenpapst —, verdichtete das Ereignis den Konflikt zwischen Kirchenreform und königlicher Macht. Der Streit um die Laieninvestitur dauerte bis zum Wormser Konkordat (1122) an; „nach Canossa gehen“ steht bis heute für die dramatische Unterwerfung eines Herrschers unter kirchliches Urteil.