Mittelalter · Frage
Was ist ein „Lehen“?
Antwort
Land, das im Austausch für Dienste verliehen wird
Der Hintergrund zur Antwort
Im feudalen Europa war ein Lehen ein Stück Land oder ein Bündel von Rechten, das ein Herr einem Vasallen verlieh und damit ein wechselseitiges Band schuf. Im Gegenzug leistete der Vasall Huldigung und Treue und stellte Heeresdienst, Rat am Hof des Herrn sowie gelegentliche finanzielle Hilfe; bei Pflichtverletzung drohte der Verfall des Lehens. Der Herr behielt das Obereigentum, während der Vasall den Nutzen und die Einkünfte hatte — oft als dominium directum versus dominium utile beschrieben. Lehen konnten nicht nur Ackerland umfassen, sondern auch Mühlen, Märkte und Zollrechte. Sie verbanden das hierarchische Gefüge der mittelalterlichen Gesellschaft, konnten unterbelehnt werden (Unterbelehnung) und wurden im Lauf der Zeit oft erblich. Mit zunehmender Geldwirtschaft wurden Teile der Dienste in Geldabgaben wie das Schildgeld (scutage) umgewandelt, was die Anpassungsfähigkeit des Systems zeigt.