Mittelalter · Frage
Was ist ein „Krönungseid“?
Antwort
Ein Versprechen, gemäß Gesetzen und Gewohnheiten zu regieren
Der Hintergrund zur Antwort
Bei einer mittelalterlichen Krönung legte der neue Herrscher vor Klerus und Volk einen heiligen Eid ab, die bestehenden Gesetze des Reiches zu wahren, Recht zu sprechen und Kirche sowie Schutzbedürftige zu schützen. Dieser Eid machte deutlich, dass königliche Macht nicht absolut war: Die Legitimität des Königs beruhte auf der Treue zu überlieferten Rechtsordnungen und auf gerechter Regierungsführung. Diese Eide unterschieden sich je nach Reich, teilten aber Kernthemen. In England reichen Fassungen von angelsächsischer Zeit bis zum Coronation Oath Act von 1689; Verstöße wurden gegen Herrscher wie Eduard II. und Richard II. angeführt. In Frankreich und anderswo war der Eid mit der Salbung verbunden, wodurch rechtliche Pflicht und sakrale Königsherrschaft verknüpft wurden. Statt ein uneingeschränktes „göttliches Herrscherrecht“ zu befürworten, formulierte die Zeremonie ein wechselseitiges, quasi vertragliches Band zwischen Monarch und Gemeinschaft.