Mittelalter · Frage
Wie nennt man die mittelalterliche christliche Praxis, seine Sünden einem Priester zu gestehen?
Antwort
Beichte
Der Hintergrund zur Antwort
Dieser Begriff bezeichnet speziell das Sündenbekenntnis vor einem Priester. Der Priester erteilt daraufhin Rat, legt eine Buße auf und—wenn der Sünder reuig ist—spricht die Absolution. Im Unterschied dazu ist die Absolution der Lossprechungsakt des Priesters, die Buße das auferlegte Heilmittel (etwa Gebete oder Fasten) und die Reue die innere Betrübnis und der Vorsatz zur Besserung.
Im Mittelalter verlagerte sich die Praxis von früheren öffentlichen Sündenbekenntnissen hin zur privaten „Ohrenbeichte“, beeinflusst von irisch-monastischen Bräuchen. Das Vierte Laterankonzil (1215) verpflichtete zur jährlichen Offenlegung schwerer Sünden beim eigenen Pfarrer und verknüpfte geistliche Gesundheit mit regelmäßiger Gewissenserforschung. Kleriker nutzten Bußbücher zur Anleitung von Fragen und Bußmitteln; das unverletzliche Beichtgeheimnis untersagte jede Weitergabe des Gehörten und stärkte das Vertrauen in das Sakrament.