Mittelalter · Frage
Was ist das „Fegefeuer“ im mittelalterlichen christlichen Glauben?
Antwort
Ein Ort/Zustand der Reinigung nach dem Tod
Der Hintergrund zur Antwort
In der mittelalterlichen christlichen Gedankenwelt gelangten Menschen, die in Gottes Freundschaft starben, aber noch lässliche Sünden oder nicht abgegoltene zeitliche Sündenstrafen trugen, nicht unmittelbar in den Himmel. Stattdessen durchliefen sie eine heilende Läuterung nach dem Tod, die sie für die Gottesschau vollendete. Weil ihr Zweck Heilung und Heiligung und nicht Vergeltung ist, unterscheidet sie sich von der endlosen Strafe der Hölle und von jedem rein irdischen moralischen Bemühen.
Die Lehre reifte im lateinischen Westen im 12.–13. Jahrhundert, wurde von Scholastikern gelehrt, berühmt dargestellt durch Dantes Berg in der Göttlichen Komödie und von den Konzilien von Lyon (1274) und Florenz (1439) bekräftigt. Sie beförderte mittelalterliche Praktiken wie Gebete und Messen für die Verstorbenen, Ablässe und Stiftungen für Seelmessen – Handlungen, von denen man glaubte, sie könnten den Läuternden helfen. Die Reformatoren bestritten sie später, doch sie blieb zentral im katholischen Glauben.