Mittelalter · Frage
Was war der mittelalterliche „Zehnt“?
Antwort
Eine Steuer, die an die Kirche gezahlt wurde
Der Hintergrund zur Antwort
Vom lateinischen decima („Zehnter“) abgeleitet, verpflichtete der Zehnt mittelalterliche Pfarrangehörige, rund 10 % ihrer Ernte oder Einkünfte an kirchliche Behörden abzugeben. Diese Abgabe war durch kanonisches wie weltliches Recht abgesichert und in weiten Teilen der lateinischen Christenheit obligatorisch. Ihre Erträge finanzierten Pfarrer, Kirchenbauten, Feste und örtliche Armenfürsorge; bei Naturalabgaben (Getreide, Wolle, Wein) wurden sie oft in großen Zehntscheunen gelagert. Wesentlich ist der Unterschied zu feudalen Abgaben an den Grundherrn und zum Frondienst (unentgeltliche Arbeit). Unter den Karolingern vereinheitlicht, wurde der Zehnt zu einem festen Bestandteil des Landlebens und häufigen Streitpunkt über Befreiungen und Bemessung. Klagen über Missbrauch und ungleiche Lasten hallten bis ins späte Mittelalter nach und nährten die Kritik der Reformationszeit.