Mittelalter · Frage
Wozu war ein „freier Bauer“ eher in der Lage als ein Leibeigener?
Antwort
In der Lage sein, den Wohnort zu wechseln und seine Arbeit frei zu wählen
Der Hintergrund zur Antwort
Anders als Leibeigene, die rechtlich an den Herrenhof gebunden waren und Frondienste schuldeten, konnte ein freier Bauer wegziehen, seine Arbeitskraft vermieten oder Parzellen bei verschiedenen Grundherren pachten. Er zahlte weiterhin Pachten und Steuern und gehörte nicht zum Adel, besaß aber die persönliche Freiheit, den Arbeitgeber zu wechseln, in ein anderes Dorf zu ziehen oder in eine Stadt zu gehen, um bessere Löhne zu suchen. Diese Mobilität war besonders nach dem Schwarzen Tod (1347–1351) bedeutsam. Wegen des Arbeitskräftemangels verhandelten viele Landarbeiter höhere Löhne oder wanderten in prosperierende Städte ab, teils mit Eintritt in Zünfte. Das mittelalterliche Recht fasste dies im Sprichwort „Stadtluft macht frei“ zusammen: In Teilen Europas konnte der Aufenthalt in einer privilegierten Stadt für „ein Jahr und einen Tag“ die rechtliche Freiheit von den Ansprüchen des früheren Herrn sichern.