Mittelalter · Frage
Wessen Sitz ist eine Kathedrale?
Antwort
Ein Bischof
Der Hintergrund zur Antwort
„Kathedrale“ geht auf das lateinische cathedra zurück, den feierlichen Stuhl, der die Lehr- und Leitungsgewalt des Bischofs bezeichnet. Die Kirche, die diesen Bischofsstuhl beherbergt, ist das Zentrum einer Diözese (Bistum) — daher der „Sitz“ vom lateinischen sedes. Kardinäle können großen Kirchen in Rom vorstehen, und Pfarrer leiten örtliche Pfarreien; doch das entscheidende Merkmal einer Kathedrale ist die Anwesenheit der Kathedra bzw. des Bischofsstuhls.
Im Mittelalter waren Kathedralen mehr als gewaltige Steinsanktuarien: Sie waren Verwaltungszentren, Gerichte und Orte des Lernens. Ihre Architektur — romanische Massivität oder gotische Höhe mit Rippengewölben, Spitzbögen und Strebebögen — ermöglichte hohe Wände aus bunten Glasfenstern, die der weitgehend analphabetischen Bevölkerung die Schrift vermittelten. Nicht jede prächtige Kirche ist eine Kathedrale; selbst eine schlichte kann es sein, wenn sie die Kathedra besitzt.