Mittelalter · Frage
Wie nennt man das mittelalterliche Stadtprivileg, das Selbstverwaltung und das Abhalten von Märkten erlaubte?
Antwort
Ein Freiheitsbrief
Der Hintergrund zur Antwort
Ein Freiheitsbrief war die formelle Verleihungsurkunde, in der Regel von einem König oder Herrn, die zentrale städtische Freiheiten bündelte: Wahl von Amtsträgern, eigene Gerichte, Erhebung von Zöllen und Abgaben sowie das Abhalten von Wochen- und Jahrmärkten. Demgegenüber war ein Stadtstatus meist das Ergebnis einer solchen Verleihung; ein Marktrecht war nur eine einzelne Klausel; und eine grundherrliche Verleihung betraf eine ländliche Grundherrschaft, nicht eine Stadt.
Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert handelten mit dem Aufschwung des Handels Städte in ganz Europa solche Urkunden aus — englische Borough-Charters, französische communes, deutsches Stadtrecht —, was freiere und wohlhabendere Städte hervorbrachte. Diese Dokumente trugen die Zunftordnung, Stadtmauern und kommunale Dienste (finanziert durch murage, Mauergeld, und pavage, Pflastergeld) und halfen, repräsentative Institutionen zu begründen, aus denen später Stadträte und nationale Parlamente hervorgingen.