Mittelalter · Frage
Was bedeutete das «Klerikerprivileg» (benefit of clergy) im mittelalterlichen englischen Recht?
Antwort
Ein Privileg, nach dem Kleriker vor kirchlichen Gerichten abgeurteilt wurden
Der Hintergrund zur Antwort
Im mittelalterlichen England verlegte das «Klerikerprivileg» strafrechtliche Angeklagte, die als Kleriker galten, von den königlichen Gerichten in die kirchliche Gerichtsbarkeit, wo das kanonische Recht und meist mildere Strafen galten. Es stützte den Anspruch der Kirche, ihre eigenen Mitglieder zu richten, und hielt sie von weltlichen Strafen wie der Hinrichtung fern.
Ursprünglich Ordinierten vorbehalten, die ihren Status durch Vorlesen belegen konnten, wurde es bald zu einer Leseprüfung — dem berühmten «neck verse» (Psalm 51) —, die vielen gebildeten Laien den Galgen ersparte. Um Missbrauch zu begrenzen, brandmarkte man Täter, um Mehrfachansprüche zu verhindern, und unter den Tudors wurde es für schwere Verbrechen ausgeschlossen. Es war vom Asylrecht zu unterscheiden, das nur vorübergehenden Schutz bot, nicht aber den Gerichtsort wechselte.