Mittelalter · Frage
Wie heißt das mittelalterliche kirchliche Gerichtssystem, das religiöses Recht regelte?
Antwort
Kanonisches Recht
Der Hintergrund zur Antwort
Weil nur das eigene Rechtssystem der Kirche Autorität über geistliche Angelegenheiten beanspruchte, verhandelte es Fälle zu Lehre, Sakramenten, Klerusdisziplin, Ehe, Eiden, Testamenten und Häresie. Diese wurden vor kirchlichen Gerichten verhandelt und mit geistlichen Strafen wie Buße oder Exkommunikation geahndet – im Unterschied zu weltlichen Systemen: das englische Gewohnheitsrecht regelte die königlichen Gerichte Englands, das römische Recht prägte das kontinentale Zivilverfahren, und das Feudalrecht ordnete die Pflichten zwischen Lehnsherren und Vasallen.
Diese kirchliche Rechtstradition verfestigte sich im 12. Jahrhundert mit Gratians Decretum und päpstlichen Dekretalen und wurde als ausgefeiltes Regelwerk an Universitäten gelehrt. Die Gerichte verwendeten Latein und oft ein inquisitorisches Verfahren und beeinflussten die europäische Rechtskultur. Das sogenannte Klerusprivileg ermöglichte es Geistlichen (und teils auch gebildeten Laien), dort gerichtet zu werden, und ihr Apparat trug die Bekämpfung der Häresie, einschließlich der mittelalterlichen Inquisition.